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Donnerstag, 31. Juli 2014

[ #deutsch ] Vorurteile und Tatsachen über den Analphabetismus

Alarmierende Zahlen zu Analphabetismus in Europa: Jeder fünfte Jugendliche im Alter von 15 Jahren und jeder siebente Erwachsene in Europa können nicht richtig lesen und schreiben. Doch über Ursachen und Betroffene werden den Sachverhalt verschleiderne Mythen erzählt:
  • „Lese- und Schreibdefizite gibt es in Entwicklungsländern, aber doch nicht in Europa."
Ein Fünftel der 15-Jährigen und fast jeder fünfte Erwachsene in Europa verfügt nicht über die notwendige Lese- und Schreibkompetenz, um erfolgreich in unserer modernen Gesellschaft agieren zu können.
  • „Lese- und Schreibdefizite betreffen Zuwanderer, aber doch nicht Menschen, die in Europa geboren und aufgewachsen sind.“
Die allermeisten lese- und schreibschwachen Kinder und Erwachsenen sind in dem Land geboren und aufgewachsen, in dem sie leben, und sprechen dessen Unterrichtssprache als Muttersprache.
  • „Einige Menschen können einfach nicht lesen und schreiben lernen."
Mit geeigneter Förderung können praktisch alle, die Probleme mit Lesen und Schreiben haben, eine ausreichende Kompetenz erlangen. Nur Menschen mit schwerwiegenden kognitiven Einschränkungen können keine funktionale Lese- und Schreibkompetenz entwickeln.
  • „Es ist Sache der Schule, Kindern Lesen und Schreiben beizubringen."
Die Schule spielt eine wichtige Rolle, trägt aber nicht die alleinige Verantwortung. An der Förderung der Lese- und Schreibkompetenz sind verschiedene Akteure beteiligt: Eltern und Gleichaltrige, Gesundheitseinrichtungen und andere. Nach Abschluss der formalen Bildung kommt auch den Arbeitgebern eine wichtige Rolle zu.
  • „Lese- und Schreibstörungen sind nicht heilbar, also können wir nichts tun.“
Heute wird von den Kindern zunehmend erwartet, dass sie Lesen und Schreiben in einer vorgegebenen Geschwindigkeit und nach einer bestimmten Methode erlernen. Diejenigen, die da nicht mitkommen, werden oft als „Legastheniker“ eingestuft. Die Diagnose sollte aber eher „Leseschwäche“ lauten, und es sollte alles daran gesetzt werden, dieses Defizit auszugleichen. Grundsätzlich kann jedes Kind lesen und schreiben lernen.
  • „Nach der Grundschule ist es sowieso zu spät, Lese- und Schreibschwächen auszugleichen. Die Kompetenz lese- und schreibschwacher Kinder zu verbessern, ist zu zeitaufwändig, zu schwierig und zu teuer – das lohnt sich einfach nicht."
Millionen von Kindern beherrschen zwar beim Wechsel in die Sekundarstufe das Lesen, aber nicht gut genug, um mithalten zu können. Mit gezielter Förderung können diese jungen Menschen eine gute oder sogar exzellente Lese- und Schreibkompetenz erlangen. Programme für leseschwache Kinder sind sehr erfolgreich und extrem kostengünstig. Über das Leben des Einzelnen gerechnet zahlen sich diese Investitionen zehn- oder sogar hundertfach aus.
  • „Nach den ersten Schuljahren können Eltern die Entwicklung der Lese- und Schreibfähigkeiten ihrer Kinder nicht mehr beeinflussen.“
Die Einstellung und das Leseverhalten der Eltern haben während der gesamten Sekundarschulzeit großen Einfluss auf die Ausbildung der Lese- und Schreibkompetenz ihrer Kinder. Auch Unterstützungsmaßnahmen für Eltern, die ihre Kinder besser fördern wollen, wirken sich sehr positiv aus.

[SCHULtopia]⇒

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